Mea culpa, maxima mea culpa

Mea culpa (lateinisch meine Schuld) sind Worte aus dem Schuldbekenntnis Confiteor (Ich bekenne…), das seit dem 11. Jahrhundert in der katholischen Kirche gesprochen wird:

„Confiteor … quia peccavi nimis cogitatione, verbo, opere et omissione:  mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa …“

Der deutsche Text lautet:

„Ich bekenne … ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld …“

Asche auf mein Haupt. Ich tue es auch nie wieder.

Da hab ich doch ganz vorsichtig die aktuelle Crew hinsichtlich Ihres “Nichtschreibverhaltens” kritisiert, und prompt, heute gegen 14.57 Uhr, bekomme ich die Quittung in Form eines aktuellen Reiseberichtes, und zwar vom Anfang bis zum heutigen Tage.

Herzlichen Dank dafür an die Crew, ich nehme mir die Freiheit, einige Auszüge daraus hier zu veröffentlichen, damit die “Zuhausegebliebenen” was zum Lesen haben.

SKW-Crew

 

18.10.2013  Das letzte Treffen vor der Abfahrt

Manni hat noch eine offene Wunde und muss ggf. verbunden werden, Dieter will noch zum Zahnarzt und zum Friseur, aber sonst scheint alles o.k. Treffen ist am kommenden Freitag um 6.30 bei Schnacki, dann Fahrt mit Ulf im Auto nach Scheessel und weiter mit dem Zug ab 7.35 nach Hamburg. Weiter mit der S? zum Flughafen. Ankunft dort 8.58. Genuegend Zeit zum Einchecken fuer den Flug ab 12.35 nach Lissabon (TAP).

25.10.2013 0630  Fahrt zum Flughafen nach Hamburg

5 Uhr, eine unchristliche Zeit zum Aufstehen, ausser man hat etwas bestimmtes vor, und das haben wir… Treffen ab 6.30 bei Dieter und dann weiter mit Ulf’s Combi ueber die einseitig gesperrte B215 nach Scheessel zum Bahnhof bzw. Mannis Altenheim. Puenktlich zum Abfahrtstermin haben wir die lange Rampe ueberwunden. Mit Verringerung des Abstandes zu Hamburg wurde der Zug voller bis uebervoll. Besser sind sicher Zuege in der off-peak Zeit. Es wurde nur noch uebertroffen von der S-Bahn, kein Sitzplatz und das in unserem Alter… Am Flughafen angekommen mussten die Bordkarten nicht am Schalter sondern an Automaten  mit zu scannendem Reisepass erarbeitet werden. Das stellte unseren Skipper vor ein kleines Problem, dass er mit Hilfe einer netten Hilfskraft charming loeste. Nun sitzen wir geloest nach Mannies englischem Fruehstueck bei einem Kaffee auf gepolsterten Sesseln mit Blick auf die Start- und Landebahn. Wir erfahren, dass die HEIDE-WITZKA nicht in Casablanca liegt sondern im Hafen von Malmerida, etwa 30 km (18 sm) weiter noerdlich, was natuerlich unseren Bunkerplan veraendern wird.

Was Ulf alles so in seinem Seesack hatte interessierte die Gepaeckkontrolle sehr. Da wir dann schon einmal dort waren, haben wir auch ein paar weitere Gepaeckstuecke durch die Maschine gejagt und die Bilder versucht zu interpretieren. Nach dem Entfernen einiger unerlaubter Teile stand dem Einchecken nichts mehr im Wege.

25.10.2013 1235        Flug von Hamburg nach Lissabon

Mit rd. 15 Minuten Verspätung rollt die Maschine zum Start. Dreieinhalb Stunden Flugzeit verspricht der Pilot bis Lissabon. Kurz nachdem Abheben, mit einer maessigen Sicht auf die neue Elbphilharmonie taucht das Flugzeug in die Bewölkung ein und braust mit rd. 750 km/h auf dem Sahnebereich gen Süden.  Eng ist es in dem Flieger, nur 30 cm zwischen Sitzflaeche und Rueckenlehne des Vordermannes. Aber wir haben Glueck: Es gibt freie Plaetze bzw. Reihen sodass die Packlage etwas entschaerft werden konnte und entweder der Gang mehr Freiheit bot oder beidseitig ein Platz frei war. Nur Schnaki blieb in der Mitte sitzen, sein Fensternachbar haette gern mehr Platz gehabt. Schon nach rd 45 Minuten in der Luft wird uns eine  kleine Zwischenmalzeit serviert, Roehrennudeln mit etwas Tomatensauce und einem Stückchen Grün dabei, vermutlich Basilikum, ein gut lagerfaehiges Brötchen,  wobei die Verniedlichungsform eindeutig zutrifft und einen Vanille-Nachtisch mit einer Schnitte Kiwi, dazu Getränke nach Wahl. Innerhalb von 20 Minuten ist der Spuk vorbei. Mit der mitgenommenen Literatur finde ich die Verbindung zum letztjährigen Toern nach Sardinien/Korsika. In Bastia hatten wir das Glueck mit Schiffen der PEN DUICK-Gruppe Bord an Bord zu liegen. Das Buch von Eric Tabarly “Einhand zum Sieg” ist die Beschreibung der Atlantikueberquerung mit der PEN DUICK II. Die Uhr ist um eine Stunde auf GMT zurueckzustellen 14 Uhr (neue Zeit) und der Himmel oeffnet sich. Zwischen den Wolkenbaenken wird die Erde sichtbar.Nach dem Ueberqueren der Biskaya muss nun die Landmasse  der iberischen Halbinsel auftauchen.

Etwas holperig war dann doch der Weg durch die Wolken, aber um 15:33 Uhr hatten wir den sicheren Boden unter den Füßen. Um 16:00 Uhr haben wir uns dann am Gate 44a eingefunden. Der Flug nach Casablanca ist delayed, Abflug 1730, Boardingtime war bisher 1625, also in 25 Minuten, wir warten einmal was passiert.Zumindest sitzt hier noch keiner ausser uns.

25.10.2013                  Flug von Lissabon nach Casablanca

17:35 Uhr  ging es los.In einer Beachcraft 1900, einer etwa 2 m breiten Röhre,  beidseitig ein Sitzplatz mit Propellerantrieb bis eta 1900, dann hatten wir Casablanca erreicht. Nach den Einreiseformaltäten und der Suche eines günstigen Taxis ging es nach Mohammedia, dem Hafen noödlich Casablanca. Eine abendliche Fahrt bei warmem Regen mit einem Fahrer, der selten unter 100 fuhr.So gegen 2100 waren wir dann am Hafen und mussten dann dort die Formalitaeten erledigen. Der in tadelosem Outfit erscheinende Beamte mit geringen Fremdsprachenkenntnisen fuellte peinlich genau die vorgegebenen Formulare aus. Die Reisepaesse behielt er zunaechst, aber die Passierscheine konnte er uns noch ausstellen, sodass wir gegen 2300 noch in den Ort gehen konnten um in einem lokalen Treffpunkt noch etwas essen konnten.

25.10.2013 2100        Ankunft auf der Heide-Witzka

Mit einer Zuladung von rd. 250 Lebensjahren mit ca. 500 kg  Mensch und sonstigen Erfordernissen taucht das  Schiff rd. 10 cm tiefer ein.

Die Aufteilung der Schlafplaetze fuehrte zur gemeinsamen Matratzennutzung von Dieter und Manni im Vorschiff und Ulf und Heinz in der Achterikabine Steuerbord, da Katharina in der Skipperbucht residierte. Johnny mussste im Salon bleiben und bat fuer die Nacht auf die Nutzung der Wasserpumpe zu verzichten, da diese direkt unter seinem Ohr ihre Arbeit aufnehmen wuerde. Einer der Besatzung erinnerte sich daran um ca. 4 Uhr nicht. Aber auch ein nicht umprogrammiertes Handy wurde um 530 seinem Auftrag gerecht. Beides beeinflusste die geruhsame Nacht erheblich.

26.10.2013 0800        Lat.:            33° 42,8 N                   Lon.;          7° 23, 96 W

Einkauf

Formalitäten.Der “richtige” Grenzbeamte hatte weniger Schwierigkeiten, den Tagespassierschein auszustellen. Nach langem Fussmarsch mit “Begleitung” durch einen Einheimischen (englischsprachig) in die Innenstadt , zu einem Bankautomaten und zum Supermarkt erreichten wir unser Teilziel, die Versorungssituation fuer einen mehrtaegien Ritt in den Atlantik als gegeben anzusehen. Lebensmittel fast 1400 D und Getraenke etwas ueber 800 D. Fuer einen weiteren Tag ist Strom und Wasser bezahlt und es sind noch die Hafengebuehren zu entrichten, Aber das war der Nachmittg, so etwa 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr. Vorher gab es die Bootuebergabe mit vielen Detailinformationen des Ausrüsters Johnny. Ich habe Bedenken, dass wir all die Detailinformationen zur gegebenen Zeit abrufen koennen. Das Schiff ist vollbetankt, auch die Wassertanks sind gefuellt. Morgen geht es los. Die Sonne verschwindet hinter dem Horizont und die Temperatur geht herunter,  aber im Gegensatz zu gestern, dem Tag des Wetterumschwungs, bleibt es trocken.

27.10.2013 0800        Lat.:            33° 42, 8 N                  Lon.;          7° 23, 96 W,

Log 0

Aufstehen nach kuehler Nacht etwa 7:30 Uhr, Fruehstueck fertig um 10:00 Uhr, Ulf fuer Baguette in den Ort, Abmelden und los. Fuer mich die erste echte Atlantikfahrt

Die Genua zieht uns durch das Gewaesser bei  etwa 4-5 Windstaerken. Auch erfahrene Segler haben da manchmal mit Uebelkeit zu kaempfen und konnten sich von der Puetz nur schwer loesen. Die ueberschaeumende Freunde des ersten Segeltages spuerten dann sowohl die Sprayhood, Heinz und der Pullover des Verursachers Ulf.

Mit diesen Aktionen waren 50% der Crew, wenn auch nicht ausser Gefecht, so doch nur eingeschraenkt nutzbar. Es war ein Nachttoern abgesprochen, der jedoch wehen des schafenden Windes mit 2 bis 3 Meilen pro Stunde nicht den gewuenschten Fortschritt brachte.

28.10.2013 0800        Lat.:            000° 00,0 N                 Lon.;          000° 00,0 E

Nach der Nachtfahr mit wenig Streckengewinn trotz grossen Einsatzes war gute Beratung erforderlich. Hatte doch die Nacht aufgezeigt, dass trotz aller Entbehrnisse und zusäzlichen Belastungen (klatschnasse Bekleidung totz Trockenheit und 29 Grad, jedoch in Folge von Luftfeuchtigkeit) der gewuenschte Streckengewinn ausblieb.

Wir motoren.

Gegen 17:00 Uhr erreichen wir Safi.Neben einer marokkanischen oder französischen Yacht konnten wir an einem festliegenden Fischereischiff festmachen.

Gleich waren sowohl der Hafenkapitaen als auch Zoll und Emigration an Bord und ein keiner Kalfaktor, der uns fuer den Rest des Tages mit seiner Freundlichkeit nicht aus den Augen lies. Er fuehrte uns auf gewundenen Wegen aus unserem Hafenbereich in die Altstadt zu einem Lokal, in dem wir gut Essen konnten (Scholle), Den Rueckweg haben wir getrennt genommen, Dieter und Mannie direkt und Ulf und ich mit einem Umweg ueber die Hauptstrasse und einen kurzen Blich in den Basar.

Ergebnis:  Erstere wurden von unserem Begleiter abgefangen und mit dem Moped zur Durchgangstuer (nur fuer Mitarbeiter des Fischerihafens zugelassen) gefahren, waehrend wir einen mehrere Kilometer weiten Umweg zum Eingangstor des Wirtschaftshafens machen mussten. Eingetroffen gegen 23:00  Uhr haben 50% der Crew geschlaefen, waehrend ab 23:10 Uhr der Exodus der Fischerifahrzeuge begann. Ca. 20 Schiffe mit je rd. 10 Personen Besatztzung verliessen den Hafem und kehrten am naechsten Morgen etwa gegen 08:00 Uhr zurueck.

29.10.2013 0800        Lat.:            32° 18, 329N               Lon.;          9° 14, 910W

Hafentag in Safi.

Dieter ist an Bord geblieben, hat freiwillig die Bewachung uebernommen.

Das Fotografieren in Hafenanlagen ist untersagt, diese Erfahrung musste ich noch einmal machen. Auf dem Weg zum Eingang bzw. Ausgang des Wirtschaftshafens von Safi begruessten uns 3 Kontrollpersonen, freundlich und Zuvorkommend. Am Ausgang hatten wir gleich wieder einen Begleiter, der uns mit durchaus guten Sprachkenntnissen der englischen Sprache die Geschichte des Ortes beschreiben wollte. Spaeter kam ein  zweiter dazu, der jedoch nur schoene Sonnenbrillen verkaufen wollte.Der dann begonnene Weg durch einen Teil der Altstadt zeigte uns noch viel eindeutiger die Armut dieses Landes bzw. seiner Buerger. Die vorgefundenen geschichtlichen Gebäude, erkennnar am fortschreitenden Verfall, sind zu einem spaeteren Zeitpunkt noch einmal nachzuarbeiten.

Die Grenzen der Freundlichkeit und Aufdringlichkeit werden in Europa anders als in Afrika definiert. Hier sind Jugendliche wie auch Alte Menschen an den Touristen interessiert. Sie zeigen die Errungenschaften und Sehenswuerdigkeiten der Stadt und sind lediglich an einer kleinen Spende fier diese Bemuehungen interessiert.

Ein weiteres Essen fuehrte in der Naehe des Kastells, zu Sardinenbaellchen mit Sosse und Pepperoni und zum Abschluss einen marokkanischen Pfefferminztee, einfach toll im Geschmack, wirklich aus echter Pfefferminze und heissem Wasser zubereitet. Dieses verleitet uns, auf dem Fischmarkt direkt neben den Schiffen 20 kleine Sardinen zu kaufen (15 ! MAD) und diese an Bord aus der Pfanne zu geniessen.

Morgen wollen wir frueh (wenn der Hafenkapitaen und die Grenzpolizei verfuegbar sind) aufbrechen in Richtung Agadir, Mal sehen wie es laeuft.

30.10.2013 0800        Lat.:            32° 18, 329N               Lon.;          9° 14, 910W

Wir sind frueh los, haben Platz geschaffen fuer die vielen wieder einlaufenden Fischkutter. Anfaenglich super Segelwetter, 4-5 Windstaerken, spater zunehmend 6, Boen 7 und dazu eine 5 m Atlantikwelle, ein heisser Ritt fuer mich. Eine Taufe bekam ich an Pos. 31º, 42, 244 N und 9º, 43, 354 W. Ein voller Brecher von Steuerbord traenkte meinen Ruecken und verschonte Andere. Pitsch patsch nass und die Wassertemperatur ca 18º, brrrrr

18:30  Uhr festgemacht unter fachlicher Anleitung der oertlichen Behoerden, es hat trotzdem geklappt. Wir bilden Paeckchen im Fischereihafen und hoffen dass kein Fischkutter hinausfaehrt, denn die freie Durchfahrt betraegt weniger als 10 m.

Die Formalitaeten sind noch nicht beendet, Ulf ist noch unterwegs und Dieter hat schon Hunger, ich uebrigens auch und Manni sowieso.

Direkt neben unseremLiegeplatz, nachdem wir über ein fremdes schiff auf das Feuerloeschboot und dann auf die Kaje gekommen sind, lag das Restaurant “Chez Sam”. Sardinen und Dorade waren das Abendessen der Crew. Zum Abschluss gab es noch einen Tee, Pfefferminze (1400 MAD). In der Gaststaette konnte ich mein Ladegeraet fuer die Kamera einsetzen und die Batterie zumindest nachladen. Zu einem vollen Ladezyklus hat es nicht gereicht. Jetzt ist es22:30 Uhr und es ist schon absolute Ruhe eingekehrt. Vereinbart ist ein Hafentag fuer morgen, da es draussen immer noch stuermt. Aufstehen nicht zu frueh, ein Wunsch von Manni, dem entsprochen werden kann.

31.10.2013 0800        Lat.:            31° 30, 486 N              Lon.;          8° 46, 465 

Es war eine ruhige Nacht.Die See, der Hafen gleicht einem Ententeich und Wind ist kaum wahrnehmbar…bis jetzt. Aber die Sonne scheint.

Wir haben einen Hafentag vereinbart, bevor morgen Agadir erreicht werden soll.

Essaouira……

Aktueller Standort der HEIDE-WITZKA: 31.508898, -9.774234

Essaouira (arabisch ‏الصويرة‎ as-Sawirah für Die Vollendete) ist eine Hafenstadt mit der kleinen Insel Mogador an der marokkanischen Atlantikküste, Sie zählte 2010 etwa 80.000 Einwohner. Vor der Unabhängigkeit Marokkos wurde die Stadt auch Mogador genannt. Dieser Name geht vermutlich auf die Portugiesen zurück und wird heute nur noch für die vorgelagerte Insel verwendet. Essaouira ist mit dem südlich gelegenen Agadir über die kurvenreiche N 1 verbunden (Entfernung etwa 175 km) und mit dem östlich gelegenen Marrakesch über die N 8 und die R 207 (Entfernung ebenfalls etwa 175 km).

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Heute Morgen hat sich der in diesem Logbuch schon mehrfach erwähnte Bootsmann wohlbehalten von Zuhause bei mir zurückgemeldet. Meinen dezenten Hinweis auf die doch spärlichen Meldungen der aktuellen Crew beim Verwalter des Logbuches löste beim Bootsmann die spontane Zusage aus, mit dem zu ihm, dem Bootsmann, in verwandtschaftlicher Beziehung stehenden aktuellen Skipper der HEIDE-WITZKA umgehend ein “Beratungsgespräch” führen zu wollen.

Nun, was soll ich sagen? Habe eben mit Dieter telefoniert, er hat das “Beratungsgespräch” also offensichtlich überstanden und wir haben eine Vereinbarung getroffen, die für den Rest seines Törns (immerhin bis zur Übergabe an Jens auf Lanzarote) eine kontinuierliche Berichterstattung verspricht.

Zum heutigen Tag war zu berichten, dass es sich eigentlich um einen schönen Segeltag gehandelt habe. Das “eigentlich” bezog sich auf die doch etwas “kabbelige” See mit Wellenhöhen bis zu 4 Meter in Verbindung mit aufbrisendem Wind bis 6 BF, wenn auch eine lange Atlantikdünung, so doch trotzdem nicht wirklich angenehm.

Gegen 19.00 Uhr sei man dann in den Hafen von Essaouira eingelaufen. Angesichts der Wetterlage und der bis Agadir “nur” noch verbleibenden 40 SM, gedenke man am morgigen Tag der malerischen Altstadt einen ausgedehnten Besuch abzustatten.

Die Stimmung an Bord sei excellent, die Besatzung habe sich eingespielt, das Schiff sei in einem optimalen Zustand und alle Systeme funktionieren. So der Bericht des Skippers.

Da der heutige Abend bei herrlichem Wetter ein langes Verweilen im Cockpit des Schiffes mit entsprechenden Getränken prognostizierte, habe man vorsichtshalber einen optimalen Liegeplatz zugewiesen bekommen.

Die HEIDE-WITZKA liegt unmittelbar neben dem Löschboot der örtlichen Feuerwehr, die Besatzung ist somit für jeden “Brand” bestens vorbereitet.

Es geschehen doch noch Wunder…

..denn soeben hat sich die Besatzung der HEIDE-WITZKA per SMS gemeldet. Den Inhalt dieser doch beeindruckend umfangreichen Statusmeldung will ich Euch natürlich nicht vorenthalten.

Ungefährer Standort der HEIDE-WITZKA (heute, 10.45 Uhr): 32.307882, -9.270844

Inhalt der SMS:

“Gruss von der Heide-Witzka. Sind gerade (09.00 Uhr) aus Safi ausgelaufen. Kurs Essaouira zum Ankern. Wetter gut, Schiff und Crew OK”

Es gibt nichts zu schreiben…

..und das ist so ziemlich das schlimmste, was dem zuhause sitzenden Initiator und überwiegendem Autor dieses Logbuch passieren kann.

Was bleibt einem da über, als irgendwas zu schreiben, damit der geneigte Leser nicht völlig enttäuscht ist.

Spontan fällt mir das doch die immer mal wieder von mir und von anderen (leider vergeblich) angeschobene Diskussion zum Thema “Ausstattung der HEIDE-WITZKA” mit einem aktiven AIS-System ein.
Für die Nicht-Segler unter den Lesern sei hier eine kleine technische Erklärung erlaubt:

“Der Begriff Automatic Identification System (AIS; zu Deutsch: Automatisches Identifikationssystem) oder Universal Automatic Identification System (UAIS) bezeichnet ein Funksystem, das durch den Austausch von Navigations- und anderen Schiffsdaten die Sicherheit und die Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert. Es wurde am 6. Dezember 2000 von der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) als verbindlicher Standard angenommen.

AIS dient entsprechend der Leistungsnorm (Performance Standard) der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) folgenden Zwecken:

  • der Kollisionsverhütung zwischen Schiffen
  • als Mittel für Küstenstaaten, Informationen über Schiffe und ihre Ladung zu erlangen
  • als Hilfsmittel für die landseitige Überwachung und Lenkung des Verkehrs (VTS).

AIS verbessert die Planung und Entscheidungsfindung an Bord, da nicht nur Position, Kurs und Geschwindigkeit der umgebenden Schiffe übertragen werden, sondern auch Schiffsdaten (Schiffsname, MMSI-Nummer, Funkrufzeichen etc.). Dies erleichtert z. B. Absprachen zwischen Schiffsführern über Funk. AIS funktioniert unabhängig von Einschränkungen der optischen Sicht und der Radarwellen-Ausbreitung (z. B. Verdeckungen oder Abschattungen), so dass auch Schiffe erkannt werden können, die sich hinter einem Kap oder hinter einer Flusskurve befinden, sofern die im UKW-Frequenzbereich ausgestrahlten Signale durchdringen.

AIS wird als aktives System bezeichnet. Für seine Nutzung ist ein aktives, technisch funktionsfähiges Gerät Voraussetzung, im Gegensatz zum Radar als passives System.”

Nun klingt das alles recht theoretisch und technisch, ist es auch, aber der Nutzen ist ein sehr realistischer.

Die HEIDE-WITZKA ist mit einem elektronischen Kartenplotter ausgerüstet, der auch über einen entsprechenden AIS-Empfänger verfügt. Das bedeutet, dass die Besatzung entsprechende Signale von Schiffen mit einem AIS-Sender empfängt, die sich in der Nähe des Standortes der  “HEIDE-WITZKA” befinden.

Das sieht das ungefähr so aus, wie auf dem nachstehenden Bild, in dem ein Tanker auf Nord-Ost-Kurs ist:

AIS-Muster

Neben dem Kurs und der Geschwindigkeit kann man hier noch weitere Informationen abrufen und seine eigene Navigation danach ausrichten. Eine durchaus praktische Sache, wie ich selber schon in Norwegen in dem recht engen Oslo-Fjord erleben durfte.

Wie gesagt, vorhanden ist ein passives AIS-System, der Skipper an Bord der  HEIDE-WITZKA kann die Informationen abrufen, das Schiff selber wird aber nicht angezeigt, weil es an der aktiven Komponente fehlt.
Hätte die “HEIE-WITZKA” eine solche Komponente an Bord, dann würden wir momentan, mangels Meldung der Besatzung, nicht so ahnungslos sitzen und uns fragen, wo denn unser Schiff nun ist. Denn das “aktive” AIS hat noch einen weiteren, wie ich finde, erheblichen Vorteil, zumindest solange sich das Schiff in relativer Küstennähe befindet.

Nachstehend ein Beispiel, wie sich der Schiffsverkehr vor der ostfriesischen Küste am heutigen Abend darstellt.

AIS-aktuell

Wie üblich, und das trotz des Orkans, ein reger Schiffsverkehr.

Und wenn unser Schiff ein “aktives” AIS-System an Bord hätte, dann hätten wir jetzt einfach diese Seite aufgerufen (http://www.marinetraffic.com/ais/) hätten den Namen “HEIDE-WITZKA” eingegeben und könnten sehen, wo sich unser Schiff gerade befindet.

So muss ich hoffen, dass sie auf dem Weg von Casablanca nach Agadir ist und auf eine Mitteilung der Crew warten. Ziemlich langweilig das.

 

 

Neue Crew an Bord

Aktueller Standort der HEIDE-WITZKA: 33.713809, -7.396588

Heute war Crewwechsel auf der HEIDE-WITZKA, ich habe keinen wirklich aktuellen Bericht von der neuen Crew, dafüär hat mir Jonny eine Mail geschickt, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

“Habe heute den Hafen von Casablanca besucht. Die Liegeplaetze sind vorhanden, aber keine  Landanbindung. Wollte es fotografieren, bekam aber ein Verbot von der Polizei. Habe aber von etwas weiter weg  Aufnahmen gemacht, bringe die bilder mit nach Hause. Casablanca ist sogar fuer mich eine sehr schmutzige Stadt mit sehr viel Elendsvierteln und vielen verzweifelten  Menschen. Hier erkennt man erst, wie gut wir es zu Hause haben. Habe gestern die Heide-Witzka heil an die Rotenburger Truppe übergeben.du wirst von ihnen hoeren. Bis bald in allter frische

Jonny”

Der für unsere Verhältnisse kurze Bericht kommt mir heute gelegen, da die vergangene Nacht deutlich zu kurz war. Dies ist ausschließlich der ziemlich überflüssigen Zeitumstellung zuzuschreiben, in keinem Fall dem letzten Abend in geselliger Runde in unserem bisherigen Vereinslokal.

Der Ritt auf der Welle….

Aktueller Standort der HEIDE-WITZKA: 33.713809, -7.396588

Mohammedia liegt rund 30 Kilometer nordöstlich von Casablanca und etwa 65 km südwestlich von Rabat an der Atlantikküste in der Region Grand Casablanca.

Nun stellt sich der geneigte Leser die Frage, was denn die HEIDE-WITZKA dort treibt. Das widerum ist eine etwas längere Geschichte.

Am gestrigen Abend, zu später Stunde, rief mich der Bootsmann / Skipper an und teilte mit, das man nun auf dem Wege nach Rabat sei. Eigentlich habe er in einen etwas nördlich ggelegenen Hafen einlaufen wollen, aber da es gegen Abend bereits dunkelte und die Befeuerung/Betonnung der Hafeneinfahrt in keiner Weise mit den bekannten Seezeichen in der Ostsee zu vergleichen gewesen wäre (also schlicht nicht vorhanden war) habe man sich entschlossen, weiter nach Rabat zu fahren.

Wobei fahren der richtige Ausdruck sei, denn man habe leichten Wind aus Süd und deswegen war nichts mit segeln.

Da der Autor dieser Zeilen selbst durch den Einfluß misteriöser Viren etwas gehandicapt ist, verzichtete ich auf diese doch nicht sehr vielsagende Mitteilung am gestrigen Abend.

Nun rief mich Jonny eben an und teilte mir mit, dass es alles ganz anders gekommen sei.

Gegen Mitternacht habe er die ersten Ansteuerungstonnen des Hafens von Rabat gesichtet und entsprechend Kurs darauf genommen. Schnell habe man bemerkt, dass eine kräftige Welle auf der Hafeneinfahrt steht und erstmal die Situation durch, soweit dies in der Nacht mangels Beleuchtung denn möglich war, eingegehende Beobachtung aufgeklärt und einen Schlachtplan entworfen.

Gemeinsam mit Jürgen Janz habe er die richtige Welle ausgesucht und quasi zum rechten Zeitpunkt geentert und eben mit dieser Welle sei man dann quasi in den Hafen hineingesurft. Diese an sich rechte nette “Rauschefahrt” wurde nur durch das rapide Abnehmen der Werte auf dem Tiefenmesser getrübt. Und es kam dann doch so, wie man es beim Lesen dieser Zeilen befürchten musste: Im ziemlich letzten Moment gab der Skipper das Kommando: “Alles zurück”! Also auf dem Kamm der Welle eine harte Kehrtwendung, auch dabei soll Jürgen dann tatkräftig mit unterstützt haben, Motor auf volle Leistung und mit voller Kraft wieder gegen die Welle raus aus dem Hafen.

Einzelheiten wußte oder wollte der Skipper zu diesem Manöver nicht preisgeben, sein Zitat: “Wir haben Blut und Wasser geschwitzt” deutet aber doch daufhin, wie knifflig diese Situation wirklich war.

Aber es ist alles gut gegangen, ohne Grundberührung hat die HEIDE-WITZKA wieder ausreichend Wasser unter dem Kiel. Aber wohin nun?

Richtung Süden, und dann immer geradeaus der Küste entlang, wohin sonst. Und so wurde auch der Rest der Nacht zum Tage gemacht und am frühen Morgen, bereits bei Tageslicht, lief die HEIDE-WITZKA dann in den Hafen von Mohammedia ein. Hier liegt sie komfortabel am Kai und die Besatzung beabsichtigt, sich heute Abend den kulinarischen Freuden der marrokanischen Küche hinzugeben.

Alles gut? Nein, nicht wirklich. Die erste Infomation des Hafenmeisters beinhaltete die Mitteilung, dass der Hafen von Casablanca aufgrund von Umbaumaßnahmen für Sportboote gesperrt sei und dass die HEIDE-WITZKA auf keinen Fall dort festmachen könne.

Na Klasse. Damit ist Jonnys Törn hier zuende und die marrokanische Stadt muss die nächsten drei Tage einen suboptimal gelaunten Skipper ertragen. Ich bin gespannt, wie die örtlichen Behörden hier damit umgehen…….

 

Ich weiss nicht genau, wo wir sind….

Aktuelle Position der HEIDE-WITZKA: 35.200184, -6.144326

..aber der Ort heißt so, wie unser Segelkamerad Klaus L. ungefähr mit Nachnamen heißt. So die einleitenden Worte des Bootsmannes bei seinem Anruf bei mir am heutigen Abend, pünktlich zur Tagesschau.

Welch eine präzise Positionsangabe. Was gut, dass es GOOGLE-MAPS gibt, und was gut, dass Jonny noch die eine oder andere Information preisgab.

80 Meilen waren es heute, allerdings ohne jeden Wind. Was nicht heißen soll, dass es behutsam zur Sache gegangen sei. Auch unter Abzug des Toleranzwertes für Seemannsgarn hat es wohl gute zwei Meter Antlantikwelle von Steuerbord gehabt. Was das Fahren unter Motor auf einem Segelschiff nicht wirklich angenehmer gemacht haben wird.

Noch bei Sonnenlicht sei man in den Hafen eingelaufen, und nach einigen Diskussionen unter Einsatz des bordeigenen Dolmetschers, Michael Kreidner, gelang es offensichtlich, einen der Fischer dazu zu bewegen, ein Plätzchen für die HEIDE-WITZKA freizumachen, so dass sie nun sicher am Kai im Hafen von Larache liegt.

Meine Frage nach den Versorgungsmöglichkeiten wie Strom oder Wasser wurde an die Crew weitergereicht, die Antwort bestand aus einem Gejohle und Gelächter, dass deutlich darauf hinwies, dass beides nicht vorhanden ist.
Der Bootsmann erklärte, dass man sowas sowieso nicht brauchen würde, weil man zum Einen ein hochmodernes Boot haben würde, dass allen erdenklichen Luxus aufweisen würde. Und zum Anderen gehe er wieder nicht an Land, weil er, der Bootsmann, ja auf das Schiff aufpassen müsse, während der Rest der Crew sich den kulinarischen Genüssen des Landes hinzugeben gedenke. Und da er, der Bootsmann, wisse, wie er selber rieche, sei das dann ja egal. Er belästige ja keinen.

Meine sofortige Frage, ob sich in Tanger denn noch eine Gelegenheit zum Bunkern von Wasser gefunden habe, wurde mit der Antwort: “Das hat Azis alles geregelt”.

Jonny war völlig überrascht, als ich erklärte, dass ich diesen Azis nicht zu meinem unmittelbaren Bekannten zählen könne und um Aufklärung bat, wer denn das nun wieder sei. Weil der andere, den er in Tanger eingespannt hatte, hies doch Adul.

Wie sich schnell herausstellte, handelte es sich bei Azis um den Chef der Hafenpolizei von Tanger, der, man erinnere sich, nicht nur für die Sicherheit des Hafens, sondern auch für die Körperpflege von Besatzungsmitgliedern der HEIDE-WITZKA durch Einrichtung eines Shuttle-Services gesorgt hat. Wobei das eine mit dem anderen möglicherweise in konkreten Zusammenhang zu bringen ist.

Besagter Azis hat natürlich auch selbstverständlich, wie habe ich jemals daran zweifeln können, dafür gesorgt, dass die HEIDE-WITZKA am heutigen Morgen zu einem in Hafennähe liegenden CLUB (?? wurde so bezeichet, habe keine weiteren Informationen) verholen konnte, um dort mittels eines sauberen Schlauches aus einer sauberen Leitung sauberes Wasser bunkern zu können. Was sicherlich einfacher war, als den oben bezeichneten Abdul das erforderliche Wasser in 5-Liter-Gebinden heranschaffen zu lassen.

Und so versorgt gings dann los, erst in Richtung West, dann nach Süden, mit einer kleinen westlichen Tendenz. Alles kein Problem, wusste der Bootsmann zu berichten. Meine Frage nach dem “Legerwall-Effekt”, der sich mir beim Blick auf die Karte und den Wetterbericht zumindest theoretisch darstellen würde, wurde nicht beantwortet.

Das erste ernsthafte Problem gab es offensichtlich am heutigen Abend beim Einklarieren des Schiffes und der Besatzung in dem Hafen von Larache. Das lag an mehreren Faktoren. Zunächst einmal sprach der Hafenpolizist, wie überraschend, weder hoch- noch plattdeutsch. OK, dafür hat es den Michael Kreidner als Übersetzer vom Dienst. Der hatte jedoch nun gerade bei der Einklarierungsprozedur seine Brille verlegt, was das Lesen und Übersetzen der auf dem polizeilichen Monitor erscheinenden Fragen unmöglich machte. Das übernahm Jonny, was nun widerum dazu führte, dass es, sagen wir mal, “kleine Reibungsverluste” gab, weil Michael nicht für alle Dinge, die Jonny laut vorlas, wirklich eine Übersetzung anbieten konnte.

Egal, offensichtlich hat das Prozedere dazu geführt, dass der Hafenpolizist einem gewissen (für mich nachvollziehbaren) Grad der Verwirrung zugeführt wurde. Da er aber aus genau diesem Grunde den Einreisestempel in den Pässen der Crew vergaß, braucht diese morgen auch nicht ausklarieren und  kann so, wann immer sie will und das Wetter es zulässt, auslaufen.

Was macht es da schon, dass aufgrund eines gewissen Ähnlichkeitsgrades aus Jügen J. nun Johann J. und aus dem erstern nun Jürgen S. geworden ist. Zumindest ist dies auf den Einklarierungsdokumenten so amtlich vermerkt.

Sehen wir nach ein paar Tagen auf See nicht alle irgendwie gleich aus?

Die HEIDE-WITZKA und die Polizei

Was denkt sich der geneigte Leser, wenn er am Sonntagmorgen vor dem Buchholzer Schwimmbad ein Polizeifahrzeug stehen sieht und die Insassen, uniformierte Beamte, offensichtlich auf irgendetwas warten?

Richtig. Ich würde auf einen Vorfall tippen, der die polizeiliche Präsenz erfordert.

Nun versetzen wir uns mal gedanklich nach Nordafrika, genau gesagt in die marokkanische Hafenstadt Tanger. Und dort steht vor einem öffentlichen Bad (man beachte den Unterschied zwischen Schwimmbad und Bad) ein Polizeifahrzeug und wartet.

Nein, kein polizeilich relevanter Vorfall, oder jedenfalls keiner, der hoheitliches Handeln erforderlich macht. Oder vielleicht doch?

Des Rätsels Lösung?

Ganz einfach! Die HEIDE-WITZKA liegt im Hafen von Tanger. Und zwar an einer Boje, mehr oder weniger mitten im Hafenbecken.  Infrastrukturell und auch tatsächlich weit weg von Europa und europäischen Verhältnissen. Soweit die formelle Beschreibung des Zustandes, im Klartext heißt das, es gibt weder Strom noch Wasser noch Toiletten und Duschen.  Und Internet auch nicht, und deswegen müsse er, Jonny,  nun mit mir telefonieren, was aber grundsätzlich doch einfacher sei als eine E-Mail zu schreiben.

Wie der Skipper in diesem durchaus  längeren Telefonat gestern Abend erklärte, würden nicht nur, wie allgemein bekannt, die Römer spinnen, sondern die Nordafrikaner auch. Er, der Skipper (wie der geneigte Leser unschwer erkennen wird, handelt es sich um den schon mehrfach in diesem Logbuch erwähnten Bootsmann) laufe mit der HEIDE-WITZKA in Tanger ein und suche einen Liegeplatz. Es sei zwar grundsätzlich normal und auch zu erwarten gewesen, dass er, der Bootsmann, von den örtlichen Behörden erwartet werden würde und deswegen sei das umgehende Erscheinen der örtlichen Polizeibehörde, um die Einklarierungsprozeduren abzuwickeln, durchaus angemessen. Aber, und das sei eine Frechheit, ihm einen Liegeplatz an einer Boje mitten im Hafenbecken anzuweisen und dafür auch noch Geld zu verlangen, das gehe dann doch zu weit.  Ohne jede Landanbindung, keine Wasser und kein Strom, und Toiletten und eine Dusche für die Crew gäbe es auch nicht.

Das habe er natürlich so nicht hinnehmen können und er habe das erst mal mit den örtlichen Behörden ausdiskutiert.  (An dieser Stelle kamen mir bei dem mündlichen Bericht des Skippers das erste Mal ernsthafte Bedenken…..)

Nicht nur die doch erheblichen Telefonkosten, auch meine Nerven verbaten es mir, nach Details der Konversation zwischen Bootsmann und nordafrikanischen Behörden zu fragen, letztlich ist ja nur das Ergebnis das, was zählt. Und da kommen wir nun wieder zu den weiter oben niedergelegten Bemerkungen hinsichtlich des vor dem (Schwimm-)Bad befindlichen Polizeifahrzeuges.

Das Ergebnis der Diskussion zwischen den Beteiligten stellt sich wie folgt dar:

  • Der Bootsmann verlässt das Schiff nicht und bewacht dieses.
  • Aufgrund zunehmender Wasserknappheit gleicht er den temperaturbedingten Flüssigkeitsverlust mit dem in ausreichender Menge vorhandenem Bier aus
  • Er wird assistiert von Abdul, der auf einer ausgedienten Fähre, ebenfalls mitten im Hafenbecken liegend, lebt. Wie der Bootsmann Abdul kennen gelernt hat, entzieht sich meinen Kenntnissen
  • Die Crew wird selbstverständlich in regelmäßigen Abständen von einem nordafrikanischen Polizeifahrzeug zu dem oben schon erwähnten öffentlichen Bad gefahren, um dort das zu tun, was nordeuropäische Segler an solchen Orten halt tun.
  • Selbstverständlich kümmert sich der Kommandant der Hafenpolizei um einen deutschsprachigen Fremdenführer, der der Crew die Geheimnisse der afrikanischen Metropole inklusive der orientalischen Märkte näher bringt, während der Bootsmann mit Abdul das Schiff bewacht.
  • Selbstverständlich übernimmt Abdul alle anfallenden Einkäufe, während der Bootsmann das Schiff bewacht. Das kann er ja auch viel besser, weil er ist Einheimischer, spricht die Sprache und kennt die besten Preise, und außerdem kann der Bootsmann nicht weg, weil er ja das Schiff bewachen muss.

Soweit die aktuelle Situationsbeschreibung in Tanger. Ich muss einräumen, dass ich nach dieser Konversation erst mal bei einem Glas Rotwein nachdenken musste und schließlich zu dem Schluss kam, eine Nacht über die erhaltenen Informationen zu schlafen und den Bericht dazu erst heute Morgen zu schreiben.

Erinnerungen an bestimmte Konversationen zwischen einem Werftbesitzer in Antibes und dem Bootsmann, denen  ich beiwohnen durfte,  kamen wieder hoch, und das zugegeben erste Mal in meinem Leben war ich dankbar, dass mich meine beruflichen Wege vor langer Zeit zu der niedersächsischen Polizei und nicht zur Hafenpolizei von Tanger geführt haben.

Wie geht es weiter?

Meine Frage,  was die HEIDE-WITZKA denn immer noch in Tanger mache, beantwortete der Bootsmann mit durchaus trefflichen Gründen.

Eigentlich war bereits für gestern ein teilweiser Crewwechsel angesagt. Zwei Segler sind planmäßig ausgestiegen, und Jürgen Janz und Michael Kreidner sollten einsteigen. Sollten!

Aus unbekannten Gründen langweilen sich beide aber seit geraumer Zeit (Stand Samstagabend) auf dem Kölner Flughafen, weil ein Flug schlicht storniert worden ist. Weder lustig noch erfreulich, nähere Informationen hatte der Bootsmann aber auch nicht. Er ist allerdings guter Hoffnung,  dass beide am Sonntag eintreffen und er dann lossegeln kann.

Womit sich die nächste Herausforderung auftut: Der nächste akzeptable (was als akzeptabel zu bezeichnen ist, erschließt sich mir nicht zu Gänze, aber Jonny wird es wissen) Hafen ist Rabat. Schlappe 180 Meilen.

Tanger-Rabat

Ich bin auf den nächsten Bericht gespannt.

 

Marocco……oder Jonny und die Afrikaner

Angenommer Standort der HEIDE-WITZKA: 35.787354, -5.806136

Hm, die heutige Mitteilung des Bootsmanns war etwas kryptisch. Folgenden Sinn habe ich nach längerem Dechriffierversuchen als am zustreffensten interpretiert:

“Hallo Karlo. Sitze mit einem bootsmann aus tanger auf unser heidewitzka und trinke bier. Warte auf meine truppe die sich in der Stadt rumtreibt. Zu viel kultur nicht gut fuer kapitano Jonny sagt abdul”